Von resistenten Bakterien auf rohem Poulet

Resistente Bakterien können von Lebensmitteln und Tieren auf den Menschen übertragen werden. Wo ist die Gefahr am grössten und wie können Konsumentinnen und Konsumenten motiviert werden, das Risiko zu verringern? Antworten auf diese Fragen liefert ein Forschungsprojekt im Rahmen des NFP 72 «Antimikrobielle Resistenzen».  

«Intervention zur Risikoreduktion der multiplen antimikrobiell resistenten Übertragungswege» - so lautet der etwas sperrige Titel eines dreijährigen Forschungsprojekts unter der Federführung der Hochschule für Angewandte Psychologie (Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Zusammenarbeit mit SAFOSO AG). Im Zentrum der Forschung stand die Frage, wie Konsumentinnen und Konsumenten für einen sicheren Umgang mit Tieren und Lebensmitteln sensibilisiert und wie sie für Verhaltensänderungen motiviert werden können.

Wo liegen die Gefahren der Übertragung?
Die Arbeiten basieren auf einer Risikokarte, die durch Expertenbewertungen zustande gekommen ist. Die Risikokarte zeigt, über welche Wege resistente Bakterien in der Schweizer Lebensmittelkette und durch den Kontakt mit Haus- und Nutztieren übertragen werden. Gemäss dieser Risikokarte ist rohes Poulet am stärksten mit resistenten Bakterien belastet. Da in Schweizer Küchen viel Poulet zubereitet wird, besteht die Möglichkeit, dass auf diese Weise resistente Bakterien übertragen werden. Zudem leben in vielen Haushalten Haustiere, mit denen wir Menschen häufig in engem Kontakt stehen. Infolgedessen ist auch hier eine Übertragung resistenter Bakterien sehr wahrscheinlich.

Risikokarte_Übertragungswege_NFP72_Original
Abbildung: Risikokarte der Übertragungswege resistenter Bakterien in der Schweizer Lebensmittelkette durch den Kontakt mit Tierprodukten, sowie mit Haus- und Nutztieren. Die Zahl und die Grösse der Blase zeigen die Anzahl gefährdete Personen pro Jahr und Übertragungsweg. (Abbildung von SAFOSO AG)

Das Verhalten ändern
Die Ergebnisse der Risikokarte machten klar: Soll die Übertragung resistenter Bakterien vermindert werden, müssen Massnahmen bei der Zubereitung von rohem Poulet und beim Umgang mit Haustieren ansetzen. Die Interventionsstudien zeigten, dass Konsumentinnen und Konsumenten durch bewusste Motivation und Planung ihre Gewohnheiten ändern und so die Präventionsmassnahmen für einen sicheren Umgang mit Lebensmitteln und Haustieren verbessern können. Erklärvideos und das Setzen von Zielen zeigten sich als wirksam.

Mit Lebensmitteln richtig umgehen
Die Forschenden der FHNW empfehlen zudem regelmässige Berichterstattung in den Medien oder Kampagnen vor der Grillsaison und zur Winterzeit, wenn Fondue Chinoise und Raclette Trumpf sind, und welche so mit der Zeit zu Verhaltensänderungen bei Konsumentinnen und Konsumenten führen können. Die Grundregeln zum Umgang mit Lebensmitteln können auch vermehrt in Rezepten eingebaut, in Kochsendungen thematisiert und im Kochunterricht gelehrt werden. Warnaufkleber auf vorverpacktem rohem Fleisch und Fisch können daran erinnern, dass diese Nahrungsmittel am besten getrennt von anderen Zutaten zuzubereiten sind.

Mit Haustieren richtig umgehen
Beim richtigen Umgang mit Haustieren spielen Tierärztinnen und Tierärzte eine wichtige Rolle. Sie können darauf hinweisen, dass bei zu engem Kontakt zwischen Mensch und Haustier resistente Bakterien übertragen werden können. Mit Antibiotika sollten sie hingegen zurückhaltend umgehen und die entsprechenden Therapierichtlinien befolgen. Zudem verhindern gute Hygienestandards in der Tierpraxis, dass ein Haustier resistente Bakterien mit nach Hause nimmt und auf seine Besitzerinnen und Besitzer überträgt.
Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierbedarfsläden sollten auch über die Risiken einer BARF-Fütterung («Biologisch artgerechte Rohfütterung») aufgeklärt werden. Diese besteht hauptsächlich aus rohem Fleisch, rohem Fisch, frischen Innereien und/oder Knochen. Hier besteht das Risiko einer unausgewogenen Ernährung des Tieres und ein Übertragungsrisiko resistenter Bakterien.  

«Intervention zur Risikoreduktion der multiplen antimikrobiell resistenten Übertragungswege» ist ein Forschungsprojekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 72 «Antimikrobielle Resistenzen».

Letzte Änderung 14.11.2021

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