Antimicrobial Stewardship Programme an Schweizer Spitälern
Zunehmende Antibiotikaresistenzen sind eine weltweite Bedrohung für Mensch und Tier. Deshalb wurde 2015 die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) lanciert, um die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen zu bremsen. Diese Bemühungen werden mit dem One Health-Aktionsplan StAR 2024 – 2027 weiter gestärkt. Im Humanbereich spielen dabei die Spitäler eine wichtige Rolle, da Patientinnen und Patienten dort besonders durch Infektionen mit resistenten Erregern gefährdet sind. Die Strategie StAR unterstützt die Spitäler dabei, Massnahmen zur Förderung des sachgemässen Einsatzes von Antibiotika zu verankern. Dies geschieht in sogenannten Antimicrobial Stewardship Programmen.
Jeder Einsatz von Antibiotika kann dazu führen, dass sich Bakterien anpassen und Antibiotika nicht mehr wirken, man spricht dann von Antibiotikaresistenz. Behandlungen werden erschwert oder gar wirkungslos. Darum ist ein sachgemässer Antibiotikaeinsatz zentral, um zunehmenden Resistenzen entgegenzuwirken. Spitäler sind besonders auf wirksame Antibiotika angewiesen: Rund ein Drittel der Patientinnen und Patienten in Schweizer Spitälern erhalten Antibiotika, zum Beispiel zur Behandlung einer Infektion oder als präventive Massnahme bei einem chirurgischen Eingriff [1]. Bakterien werden aber zunehmend gegen mehrere Antibiotika resistent. Die meisten schweren Infektionen mit solchen multiresistenten Erregern werden in Spitälern behandelt.[2] Deswegen ist es zentral, dass da Infektionen durch Hygienemassnahmen reduziert, und die Entstehung von Resistenzen durch sachgemässen Antibiotikaeinsatz gebremst werden. Studien zeigen, dass Optimierungspotential besteht.[3]
Erfolgreiche Massnahmen an Spitälern: Antimicrobial Stewardship Programme
Massnahmen zum sachgemässen Einsatz von Antibiotika werden unter dem Bergiff Antimicrobial Stewardship zusammengefasst. Dazu gehört zum Beispiel, den Antibiotikaeinsatz und vorhandene Resistenzen zu überwachen. Eine andere wichtige Massnahme ist, Verschreibungsrichtlinien zu erarbeiten und systematisch zu aktualisieren. Ebenfalls relevant sind regelmässige Weiterbildungen
Erhalten solche Stewardship Aktivitäten die dafür nötigen finanziellen und personellen Ressourcen und werden sie institutionalisiert, spricht man von einem Antimicrobial Stewardship Programm (ASP). Ein solches Programm entspricht einem koordinierten Bündel der oben genannten Aktivitäten, mit dem ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika gefördert wird (siehe Abbildung). Verschiedene Studien zeigen, dass ASP ein effektives Mittel sind, um die Entstehung von Resistenzen zu verringern – mit positiven Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten (weniger Nebenwirkungen, kürzerer Spitalaufenthalt) und tieferen Behandlungskosten im Spital.
Komponenten eines Antibiotic Stewardship Programms zum sachgemässen Einsatz von Antibiotika in Spitälern.
Bund unterstützt die Einführung von Antimicrobial Stewardship Programmen
Das Bundesamt für Gesundheit unterstützt das nationale Projekt «StAR-3: Implementing Antimicrobial Stewardship in Swiss Hospitals», welches in einem Konsortium von Swissnoso gemeinsam mit verschiedenen Akteuren (SGInf, SGSH, GSASA, SGM, ANRESIS, FMH) umgesetzt wird. Ziel des Projektes ist es, Schweizer Akutspitäler beim Aufbau von Stewardship Programmen zu unterstützen. Hierfür wurde 2024 ein «Handbuch zur Umsetzung von ASP in Akutspitälern in der Schweiz» veröffentlicht. Derzeit werden weitere ASP-Umsetzungshilfen entwickelt. Diese werden 2026 in der zweiten, überarbeiteten Auflage des Handbuchs verfügbar gemacht.
Die Überwachung des Antibiotikaeinsatzes ist ein zentraler Bestandteil von Antimicrobial Stewardship Programmen. Das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen ANRESIS erstellt für angeschlossene Spitäler seit vielen Jahren einen Benchmarking Bericht zur Resistenzsituation und zum Antibiotikaverbrauch. Zudem bietet ANRESIS ein interaktives Dashboard und den ANRESIS‑Guide. Mit dem umfassenden Angebot können Spitäler nicht nur Verbesserungspotenziale identifizieren, sondern die Wirkung der Verbesserungsmassnahmen bis auf Stationsebene verfolgen.
In einem 2024 von Swissnoso durchgeführten Monitoring gaben 86 % der teilnehmenden Spitäler an, Stewardship-Aktivitäten umsetzen. Davon führten allerdings nur die Hälfte ein Antimicrobial Stewardship Programm (ASP)[4]. Damit wurden im Vergleich zu einer ersten Untersuchung aus dem Jahr 2017 ermutigende Fortschritte erzielt. Dennoch bestehen weiterhin kritische Lücken. Es braucht also weitere Anstrengungen, bis ein Grossteil der Spitäler ein Antimicrobial Stewardship-Programm implementiert hat – und damit ein wichtiges Ziel des One Health-Aktionsplans StAR erreicht ist. Die derzeit laufende Revision des Epidemiengesetzes sieht vor, dass der Bund die Spitäler auch zur Durchführung solcher Programme verpflichten kann, falls die Gesundheit von Patientinnen und Patienten oder des Personals durch antimikrobielle Resistenzen gefährdet ist.
StAR: Gemeinsam gegen Antibiotikaresistenzen
Im Rahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) konnten seit 2016 zahlreiche Massnahmen erfolgreich auf- und ausgebaut werden. Der 2024 vom Bundesrat verabschiedete One Health-Aktionsplan StAR 2024 – 2027 stärkt die Umsetzung der Strategie StAR mit weiteren, verbindlichen, innovativen und nachhaltigen Massnahmen. Umgesetzt werden diese gemeinsam von den vier Bundesämtern für Gesundheit (BAG), für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), für Landwirtschaft (BLW) und für Umwelt (BAFU). Viele der konkreten Massnahmen können jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen sowie zahlreichen weiteren Akteuren aus den Bereichen Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt umgesetzt werden.
