Antibiotika: Nutzen wir sie richtig, es ist wichtig
Zunehmende Antibiotikaresistenzen sind eine weltweite Bedrohung für Mensch und Tier. Damit wir weiterhin wirksame Antibiotika haben, müssen wir sie verantwortungsbewusst einsetzen.
Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente, die das Wachstum von Bakterien verhindern oder Bakterien abtöten. Antibiotika sind wirkungslos gegen Viren (z.B. Erkältung, Grippe).
Der Einsatz von Antibiotika kann dazu führen, dass sich Bakterien anpassen und Antibiotika nicht mehr wirken. Resistente Bakterien können sich vermehren und auf andere Menschen und Tiere übertragen werden. Resistent werden nicht Menschen, sondern Bakterien.
Infektionen mit resistenten Bakterien können nur schwer oder gar nicht mehr behandelt werden. Ein zu häufiger oder falscher Einsatz von Antibiotika kann die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen beschleunigen.
Informationen für Patientinnen und Patienten
Was können wir tun?
Klären Sie die Notwendigkeit einer Antibiotika-Therapie mit einer medizinischen Fachperson.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sie sind nicht bei jeder bakteriellen Infektion notwendig und können Nebenwirkungen verursachen. Viele Infektionen heilen auch ohne sie. Gegen Viren (z.B. Erkältung, Grippe) sind Antibiotika wirkungslos.
Nehmen Sie Antibiotika nur ein, wie von der Ärztin oder vom Arzt verschrieben.
Halten Sie sich genau an die Dosierung und Behandlungsdauer. Lassen Sie keine Einnahme aus. Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen an Ihre Arztpraxis, Zahnarztpraxis oder Apotheke.
Bringen Sie übrige Antibiotika in die Apotheke oder Arztpraxis zurück.
Bewahren Sie übrige Antibiotika nicht zu Hause auf und verwenden Sie sie nicht bei anderen Erkrankungen. Geben Sie Antibiotika nicht an andere Personen weiter und entsorgen Sie sie nie im Hausmüll oder Abwasser.
Informationen für Tierhalterinnen und Tierhalter
Was können wir tun?
Vertrauen Sie Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt. Sie entscheiden bewusst über die Notwendigkeit einer Antibiotika-Therapie.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sie sind nicht bei jeder bakteriellen Infektion notwendig und können Nebenwirkungen verursachen. Viele Infektionen heilen auch ohne sie. Gegen Viren, Pilze und die meisten Parasiten sind Antibiotika wirkungslos.
Befolgen Sie die Anweisungen Ihrer Tierärztin oder Ihres Tierarztes.
Wenden Sie Antibiotika nur an, wie von der Tierärztin oder vom Tierarzt verschrieben. Halten Sie sich genau an die angegebene Dosierung und Behandlungsdauer. Lassen Sie keine Eingabe aus.
Informieren Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt über den Krankheitsverlauf.
Antibiotika können bei Tieren Nebenwirkungen haben oder bei einer Resistenz des Krankheitserregers nicht wirksam sein. Darum ist es wichtig, dass Sie eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes Ihres Tieres melden. Nur so kann die Therapie gezielt angepasst werden.
Bringen Sie übrige Antibiotika in die Apotheke oder Tierarztpraxis zurück.
Verabreichen Sie niemals übrig gebliebene Antibiotika aus früheren Behandlungen oder von einem anderen Tier. Abgelaufene oder nicht gebrauchte Medikamente sollten immer in einer Tierarztpraxis oder einer Apotheke zur fachgerechten Entsorgung abgegeben werden.
Häufig gestellte Fragen
Antibiotika werden bei bakteriellen Infektionen oder Entzündungen verschrieben. Das ist in folgenden Fällen nötig:
Wenn ein Risiko für weitere Komplikationen besteht
Wenn die Entzündung ohne Antibiotika nicht oder zu langsam abklingt
Wenn sich die Bakterien auf andere Tiere oder Personen übertragen könnten
Wenn ein Eingriff geplant ist und Infektionen wahrscheinlich sind (z. B. bei gewissen Operationen).
Antibiotika sind nicht immer hilfreich. In folgenden Fällen werden bei Tieren keine Antibiotika verschrieben oder nur lokal wirksame:
Wenn die Entzündung nicht von Bakterien verursacht ist. Gegen Viren, Pilze und die meisten Parasiten sind Antibiotika wirkungslos.
Wenn eine unterstützende Therapie ohne Antibiotika ausreicht. Die meisten Husten- und Durchfallerkrankungen oder kleinen Abszesse heilen mit unterstützender Therapie problemlos ab.
Wenn die Selbstheilkraft ausreicht. Viele leichte Infektionen können ansonsten gesunde Tiere selbst besiegen (z. B. kleine Wunden).
Wenn gezielte lokale Behandlungen besser sind: Lokale Infektionen (z. B. Haut- oder Ohrinfektionen), können mit lokalen Medikamenten oft viel effizienter behandelt werden. Der Wirkstoff gelangt direkt und in hoher Konzentration an den Infektionsort, während Nebenwirkungen auf die «guten Bakterien» im Darm und auf der Haut minimiert werden.
Antibiotikabehandlungen können die für die Verdauung zuständigen «guten Bakterien» im Darm schwächen oder abtöten. Das kann zu Durchfall und im schlimmsten Fall zu länger anhaltenden Verdauungsproblemen oder Auswirkungen auf das Immunsystem führen. Einige Antibiotika können bei jungen, wachsenden Tieren bleibende Knorpelschäden verursachen.
Die tägliche Gabe von Antibiotika in Form von Tabletten oder Flüssigarzneimitteln hat drei wesentliche Vorteile:
Die Therapie mit Tabletten/Flüssigarzneimittel lässt sich gezielter festlegen und es kann das optimale Antibiotikum verwendet werden.
Das eingesetzte Antibiotikum wirkt mit täglicher Gabe konstant und optimal und der Wirkstoffspiegel fällt nicht über die Zeit ab wie bei der Spritze.
Bei der täglichen Gabe kann die Therapie, wenn nötig, sehr schnell angepasst werden (z. B. bei Nebenwirkungen). Das ist bei der Therapie mit einer langwirksamen Antibiotika-Spritze nicht möglich.
Wenden Sie Antibiotika nur an, wie von der Tierärztin oder vom Tierarzt verschrieben. Halten Sie sich genau an die Anweisung zur Dosierung und Behandlungsdauer. Lassen Sie keine Eingabe aus. Informieren Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt über den Krankheitsverlauf. Bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes Ihres Tieres kann die Therapie angepasst werden.
Tarnen ist besser als Zwingen. Tabletten lassen sich gut in einem besonders schmackhaften Leckerli verstecken. Es gibt im Handel auch Leckerlis, die spezifisch dafür konzipiert sind. Zerkleinern oder Auflösen von Tabletten ist nicht immer sinnvoll. Manche Antibiotika verlieren so ihre Wirkung oder schmecken besonders bitter. Fragen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Geben Sie Antibiotika in jedem Fall schnell und belohnen Sie Ihr Tier mit einem besonders beliebten Leckerli.
Wenn das Verstecken der Tablette nicht funktioniert, ist ein Tabletteneingeber (ein kleiner Plastikstab mit Gummispitze) eine sichere Alternative zur Verabreichung mit den Fingern. Damit kann die Tablette im Rachen des Tiers platziert werden, was in der Regel auch dazu führt, dass die Tablette rasch heruntergeschluckt wird.
Bringen Sie übriggebliebene Antibiotika zur fachgerechten Entsorgung in die Apotheke oder Tierarztpraxis zurück.
Antibiotikaresistenzen betreffen uns alle, weil wirksame Antibiotika für uns und unsere Tiere wichtig sind. Antibiotika werden gegen viele verschiedene bakterielle Infektionen eingesetzt, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Das reicht von Ohrenentzündungen bis hin zu Lungen- und Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen. Infektionen können auch im Anschluss an einen Unfall entstehen. Bei gewissen Operationen werden Antibiotika eingesetzt, um Infektionen zu verhindern.
Nein, nicht alle Bakterien sind Krankheitserreger. Auf und im Körper von Menschen und Tieren leben tausende von verschiedenen Bakterienarten. Im Darm haben Bakterien eine wichtige Rolle bei der Verdauung und der Verwertung von Nahrung. Diese «guten» Bakterien können durch den Einsatz von Antibiotika ebenfalls geschwächt oder abgetötet werden. Ein wichtiger Grund, Antibiotika nur dann einzusetzen, wenn es nötig ist.